Im lebendige Körper steckt nicht nur das Trauma, sondern auch das Leben! Er ist vielmehr als nur der Verstand, der ‚Präfrontale Kortex‘ oder der Geist. In diesem Leib steckt ein lebendiger Körper und Deine Seele. Wir nehmen Deinen Leib mit auf den Weg und schauen mit Dir, wie sich Blockaden in Deinem Leben lösen lassen. Damit Dein Lebensfluss wieder voll in Gang kommt.

Leib – mehr als nur Körper
In Österreich gibt es einen gängigen Begriff zum Leib – das „Leiberl“. Im Vorarlberg heißt es „Lible“ und gemeint ist damit ein Shirt. Es kann ein T-Shirt sein, ein Fußball-Trikot oder der Leiberl-Klassiker seit Jahrzehnten: das Feinripp-Träger-Unter-Hemd für Männer. Für mich, Norbert Hopfner, ist das das typische Leiberl, was ich mir vorstelle, wenn davon die Rede ist.
Ein Leiberl ist ein Oberteil, das direkt auf der Haut, am Leib getragen wird. Das ist der Wortsinn, so wie ich ihn deuten würde. Die genaue Definition kenne ich nicht. Das ist meine persönliche Ableitung. Von dem her war mir auch sofort klar, was mit Leibtherapie gemeint ist.
Der Sport-Unterricht hieß in meiner Schulzeit (in Vorarlberg und in den 1980ern) auf dem Stundenplan Leibesübungen bzw. irgend eine Abkürzung dafür. Unsere Enkeltochter sagte zu mir vor kurzem, dass es nicht Turnen heißt, sondern Sport. Der findet natürlich in der Sport- und nicht mehr in der Turnhalle statt. Leibesübungen würde sie bestimmt sehr befremdlich finden, wenn schon Turnen als Wort für sie fremd und nicht richtig ist. Und doch: Gymnastik und regelmäßiges Training von diversen Sportarten bringt unseren Körper in Bewegung und Fitness. Das würde ich unter dem altmodischen Wort Leibesübungen verstehen.

Bedeutung des Spiels – Ausflug in die Polyvagal-Theorie nach Stephen W. Porges
Beim (Fußball-)Spielen sind laut Porges gleich mehrere Bereiche im ‚Autonomen Nervensystem‘ aktiv – grün und gelb. Er holt etwas aus und schreibt: „Vielmehr kann unser Körper bestimmte Aspekte dieser drei Systeme [Anm. NH: das grüne für den ventralen Vagus, das gelbe für den Sympathikus und das rote für den dorsalen Vagus] zu verschiedenen ‚autonomen Cocktails‘ mischen, die ganz bestimmte Funktionen erfülllen. Beispielsweise ermöglicht das Gelbe System nicht nur das Kämpfen und das Fliehen vor Bedrohungen. Seine Fähigkeiten, uns zu mobilisieren, steht uns fast immer zur Verfügung, wenn wir Energie benötigen – und das kommt uns oft auch in Augenblicken zugute, in denen wir Sicherheit und sogar Freude erleben.„1
Die Sicherheit spricht Porges dem grünen System zu. Das steht für den ventralen Vagus. Kommunikation und mit sich und der Umwelt in Verbindung stehen ist ja gerade für Mannschaftssport sehr wichtig. Der ganze Leib (Körper und Seele) sind involviert. Der ‚autonome Cocktail‘ wirft beim Fußball das gelbe System für die Energie und die Kraft zum Rennen an. Das grüne System übernimmt dann das Einordnen vom Stand und die möglichen (Tor)Chancen von der eigenen und der anderen Mannschaft. Das grüne System des ventralen Vagus ermöglicht die Orientierung in der Umwelt.2
Auch bei der Körper-Arbeit und der Leib-Therapie werden mehrere Systeme angesprochen, um nicht nur Verstandes-mäßig an die Probleme und Traumata heran zu kommen. Siehe dazu auch die Vergleichs-Tabelle am Ende des Blog-Artikels.
Wahrnehmungen des Leibes in der integrativen Therapie, der integrativen Bewegungs-Therapie und der Körper-Arbeit
Dr. med. Otto Hofer-Moser ist Lehrtherapeut für die Ärztekammer Österreich und unterrichtet an der Universität in Krems (Ö) integrative Therapie. Er schreibt in seinem Buch „Leibtherapie“ vom Unterschied zwischen Körper und Leib. Für ihn hat der Körper als biomechanische Metapher eine Austauschbarkeit erreicht. Das erschwere „bis verunmögliche den modernen Menschen den Zugang zur lebendigen Erfahrung des Leibes, indem der Leib aus unterschiedlichen Gründen zum „Körperding“ funktionalisiert und instrumentalisiert und so größtenteils vergessen, verdrängt bis anästhesiert wird.“ 3
Und wenn es manchen (Anteilen von) LeserInnen – vielleicht auch Dir? – so vorkommen mag, dass das Körperding einfach da ist und voll ab-nervt – vielleicht willst Du zu Deinem Körper sagen: Chill ‚mal ? – ist es doch so, dass darin das menschliche Leben steckt. Er ist nicht nur ein toter Körper oder das Körperding, sondern belebt. Der mit Seele/ Psyche belebte Körper ist Geist. Der Leib ist mehr als bloß Körper, der automatisch funktioniert.
Gerade das Gehirn ist noch nicht so tiefgründig erforscht und die „seelischen“ Komponenten und Zusammenspiele sind unklar. Da knüpft aber der Leib-Begriff an. Das autonome Nervensystem arbeitet im Körper automatisch und außerhalb unseres Bewusstseins. Es führt sein Eigenleben mit der Psyche und hat Seele. Alle Spuren deuten darauf hin, dass die Polyvagal-Theorie von Steven Porges mit dem grünen, gelben und roten System stimmt. Aber die Beweise und die Auswirkungen dämmern erst langsam herauf – und mir kommt vor, dass es mit der strukturellen Dissoziation nochmals länger gehrt, bevor diese Möglichkeit in der Gesellschaft angekommen ist.
Einverleibter bzw. verkörperter Schrecken
Zur Dissoziation gehört dann die eigenmächtige Anästhesie des Körpers vom ‚Autonomen Nervensystem‘. Um die schrecklichen Schmerzen nicht aushalten zu müssen, spaltet sich die Persönlichkeit in (weitere) Anteile (EP). Am nächsten Tag geht der anscheinend normale Persönlichkeits-Anteil (ANP) in die Schule. Vergessen sind die Grauen des Vortags für das Funktionieren.
Aber die Qualen sind im Körper gespeichert, im Gehirn, weil der Zentral-Computer unter den Umständen nicht mehr richtig gearbeitet hat. Und im Leib, dem lebendigen Körper mit Personalität und Subjekthaftigkeit 4 sowieso. Der Leib, der die unterschiedlichen Persönlichkeits-Anteile beheimatet, hat die verkörperten Schrecken intus. Das ist ganz klar. Bessel van der Kolk, ein berühmter Trauma-Forscher, nennt sein Buch auf englisch: „the body keeps the score“ (also in etwa: Der Körper behält den Punktestand) bzw. in der deutschen Übersetzung: „Verkörperter Schrecken“ 5, aber auch einverLEIBter Schrecken wäre passend. Das ist eine Traumafolge-Störung.
Die gute Nachricht: Mensch kann daran arbeiten – Körper-Arbeit und Leib-Therapie
Der einverleibte Schrecken ist in der Vergangenheit passiert. Nichts und niemand kann das ungeschehen machen. Aber Betroffene können die Folgen verändern, indem sie in der Gegenwart damit arbeiten. Damit verändern sie die Auswirkungen von damals in der Zukunft. Dazu fällt mir ein Werbe-Spruch für eine Bank von einem österreichischen Wohlfühl-Star über Geld ein. Der klang sehr tiefsinnig und sollte Leute zum Sparen anregen. Geld auf der Bank bunkern, damit man es rechtzeitig hat, wen man’s braucht. Geld würde dann glücklich machen, hat sich Herr Kirschner hinreißen lassen zu sagen.
Ich bzw. wir werben auch – für eine Bearbeitung der alten Belastungen, damit sie in Zukunft nicht mehr die Wucht vom einverleibten Schmerz von damals haben. Das kannst Du verändern! 🙂 Den Körper miteinzubeziehen hilft ungemein. Nimm Kontakt mit uns auf, wenn Dich Näheres interessiert.
An Deinen Traumafolgen arbeiten mit Körper und Seele
Traumafolgen lassen sich nicht rein rational lösen. Wir Menschen können uns nicht einfach denken, dass wir das jetzt hinter uns lassen – und dann ist es wirklich weg. Zu überwältigend waren das Ereignis oder die Ereignisse damals, die zu den Traumafolgen geführt haben. Desto mehr wir verdrängen, vermeiden und das nicht wahrhaben wollen, desto drastischer kommt der Bumerang zurück; und fliegt uns um die Ohren. Der Verstand (Präfrontaler Kortex, das Zentrum für Planung, Logik und Impulskontrolle) wird bei wiederkehrenden Erinnerungsbildern (Flashbacks oder Intrusionen) übersprungen und die Amygdala, unser körpereigenes Alarm-Zentrum, meldet (Lebens)Gefahr.
Der lebendige Körper, der Leib kann dabei aber noch mitreden! Durch Atmung, Berührungen (touch) und Ankerpunkte im Hier und Jetzt können wir versuchen, das (autonome Nerven)System doch noch zu erreichen. Darauf baut die Leib-Therapie auf; und auch andere Ansätze in der Körperarbeit, wie der Pantarei-Approach. Denn diese Flucht aus dem Körper raus ist nicht nur beim Flashback da. Sie lastet auf den Traumatisierten, einmal weniger und dann wieder mehr präsent. Aber ganz weggehen tut sie meiner Erfahrung nach nicht mehr. Außer nach intensiver Arbeit daran und wenn Persönlichkeitsanteile integriert werden konnten.
Touch in der Körperarbeit bei Traumafolgen
„Das direkte Berühren der Patientin, des Patienten durch die Therapeutin, den Therapeuten, der ‚Touching-Approach‘, ist in der Psychotherapie aus unterschiedlichen Gründen in Misskredit geraten, obwohl er als ‚healing touch‘ bereits in der Bibel erwähnt wurde.“ 6 Otto Hofer-Moser zitiert dazu auch den Begründer der Integrativen Therapie, Hilarion Petzold, 7 – der gemeinsam mit Johanna Sieper das moderne Leibkonzept entwickelt hat. In ihrem Ansatz übergehen sie durch gezielte Berührung das Tabu der Non-Touch-Psychotherapie. Sie sehen den Menschen als „biopsychosozial“. Die heilsame Berührung wird als wertvolle Kommunikation in der Integrativen Therapie verstanden. Tiefgreifende Heilungsprozesse können auf körperlicher und seelischer Ebene angestoßen werden können.
Körperarbeit mit Pantarei-Approach und ‚healing touch‘
Mit der Körper-Arbeit nach dem Pantarei-Approach und unserem ‚healing touch‘ werden mitunter ebenfalls gute Ergebnisse erzielt! 🙂 DISCLAIMER: Auch wenn Berührungen heilen können, ist das ausschließlich eine Möglichkeit. Nicht bei jedem oder jeder KlientIn wirkt der sogenannte ‚healing touch‘ überhaupt und macht irgendwas. Es kann auch bei Dir so sein, dass gar nichts passiert!
Die KlientInnen von Minea und mir bestätigen immer wieder, dass unsere Berührungen und das Reden auf der Liege Ihnen sehr gut getan und geholfen hat.
Pantarei ist mehr als eine Massage. Der Leib, also Körper und Seele werden in die Arbeit mit eingebunden. Die Psyche wird durch den Körper angesprochen – und Themen können im Körper durch eine Kommunikation über das Spüren und reden bewegt werden. Idealerweise werden abgespaltene Fragmente integriert. Aber das ist Prozessarbeit, bei der die Verbindung zwischen Practitioner und Client wichtig ist. Und fließen soll. (Pantarei heißt auf griechisch: alles fließt.)
Self-Touching-Approach – I touch myself
Eine Besonderheit zwischen keiner Berührung und Berührung durch den Practitioner bzw. einem anderen Menschen ist die Selbst-Berührung. Vielleicht kennst Du die Schmetterlings-Umarmung oder englisch ‚butterfly‘; in der Du mit den überkreuzten Armen auf Deine Schultern klopfst. Immer abwechselnd ergibt das ebenfalls eine bilaterale Gehirn-Stimulation. Du stimulierst mit der Schmetterlings-Umarmung beide Seiten Deines Gehirns. Du machst die körperlichen, bilateralen Berührungen von EMDR selbst an Deinem eigenen Körper. Aber das ist nur eine wichtige Phase von EMDR. Wenn Du Interesse an allen Phasen von EMDR hast, melde Dich gerne bei uns. Hier noch ein Link, der EMDR und die Funktionsweise erklärt.
Klopfen und Kurbeln am eigenen Körper (mit Anleitung)
Ein anderer Weg beim Self-Touch sind Klopftechniken. Sie helfen zur Stressregulation und werden bei Selbstwert-Trainings eingesetzt. Ich finde es erstaunlich, wie die Abfolge an Selbst-Berührungen die Belastung dämpfen kann und den Körper in das Hier und Jetzt zurück holen. So dass Affekte wie Wut und Ärger nicht den Siedepunkt überschreiten und der oder die Betroffene nicht explodieren muss. Der Stress-Level sinkt z.B. von 70% der Belastung auf 50%, so dass das Klopfen und Kurbeln sehr hilfreich wirkt.
Bei uns sieht das so aus, dass der Practitioner es Dir vormacht – und Du als KlientIn machst das mit. Vielleicht machen wir danach noch einen Durchgang. Wir suchen nach Deinen individuellen Sätzen und kurbeln sie dann durch. Wie immer, bei Interesse bitte melden.
Zum Abschluss will ich Dir noch eine Tabelle präsentieren:
Vergleich: Klassische Psychotherapie vs. Leibtherapie und Körperarbeit
| Typ | klassische Gesprächstherapie | Körper-Arbeit / Leibtherapie / Embodiment |
| Fokus | Kognition, Sprache, Einsicht | Spüren, Bewegen, Atem, Präsenz |
| Medium | das Wort | der belebte Körper (Leib) |
| Kommunikation | über Sprache | über Berührung (touch), Ausdruck und Sprache |
| Ziel | Verstehen / Geistig erfassen von Abläufen, Mustern, Schemata und Zuständen | Erleben & Verändern von Abläufen, Mustern, Schemata und Zuständen |
Quellen und Ressourcen:
- S. 59, Stephen W. Porges & Seth Porges, ‚Sicherheit und Heilung finden‘, G.P.Probst Verlag, 1. Auflage 2024, zusätzliche Titel: ‚Die Polyvagal-Theorie in unserem Leben – Körper und Gehirn vor Traumata und Ängsten schützen‘; Verlags-Link: https://www.gp-probst.de/buecher/porges-porges-sicherheit-und-heilung-finden/porges-porges-sicherheit-und-heilung-finden.html
Originaltitel: ‚Our Polyvagal World. How Safety and Trauma Change Us‘, copyright 2023 by Stephen W. Porges and Seth Porges ↩︎ - vgl. S. 60ff, ebd. ↩︎
- S. 18, Otto Hofer-Moser, Leibtherapie – Eine neue Perspektive auf Körper und Seele, 2018, Psychosozial-Verlag Gießen; Verlags-Link: https://psychosozial-verlag.de/programm/2000/2115/2730-detail ↩︎
- vgl. S. 19, ebd. ↩︎
- vgl. Buch von Bessel van der Kolk, ‚Verkörperter Schrecken‘, 10. Auflage 2025, zusätzliche Titel: ‚Traumaspuren in Gehirn, Geist und Körper und wie man sie heilen kann‘
Verlags-Link: https://www.gp-probst.de/buecher/van-der-kolk-verkoerperter-schrecken/van-der-kolk-der-verkoerperter-schrecken.html
Originaltitel: ‚The Body Keeps the Score. Brain, Mind and Body in the Healing of Trauma‘, Copyright: Bessel van der Kolk, MD, 2014 ↩︎ - S. 180, Otto Hofer-Moser, Leibtherapie – Eine neue Perspektive auf Körper und Seele, 2018, Psychosozial-Verlag Gießen; Verlags-Link: https://psychosozial-verlag.de/programm/2000/2115/2730-detail ↩︎
- vgl. S. 180 ebd. ↩︎
